Die Aperol-Eule von Norderney

Norderney, Sommer 2025.

Melle lebte auf der Insel, kannte den Wind, das Salz und die Tatsache, dass ein Besuch von Maja nie einfach nur „Besuch“ war – sondern ein Ereignis.

An diesem Abend: kein Plan, keine Struktur, dafür Shoebody Bop (Headbutt Baptism) in Dauerschleife und eine Teekanne in Form einer Eule, irgendwo im Raum positioniert, randvoll mit Aperol Spritz.

Wo genau sie stand? Unklar.
Wichtig war nur: sie war erreichbar.

Zehn Minuten später waren beide schon da, wo man sich gegenseitig Sätze anfängt und keiner sie beendet, weil man vorher schon wieder loslacht. Nicht süß, nicht „hihi“ – sondern dieses tiefe, aggressive Hyänenlachen, bei dem man kurz denkt, die Nachbarn rufen gleich die Polizei.

„Maja“, sagte Melle irgendwann und richtete sich halb auf, „wir kümmern uns jetzt um dein Liebesleben.“

„Oh nein, bitte nicht.“

Doch. Handy raus. Video an. Irgendwas komplett Absurdes – Headbutt Baptism.
Melle nickte ernst.

„Das ist ein Ritual.“

„Das ist Quatsch.“

„Das ist Inspiration.“

Die Eule wanderte wieder zwischen ihnen hin und her.

„Also pass auf“, begann Melle und stand auf, als hätte sie gerade eine göttliche Eingebung. „In einer türkischen Tradition – ich schwöre, das gibt’s – springt man über Feuer und wünscht sich was.“

Maja starrte sie an. „Du lügst.“

„Vielleicht. Aber es fühlt sich richtig an.“

Suche nach einem Teelicht: erfolglos.

Was folgte, war pures Chaos. Melle wühlte sich durch alles, was nicht bei drei weg war. Irgendwas fiel um, irgendwas klapperte, beide lachten wieder völlig eskalierend los.

Dann:

„ICH HAB WAS!“

Räucherspirale.

Kurzes Innehalten.

„Das ist halt wirklich kein Feuer.“

„Das ist jetzt emotionales Feuer.“

Die Spirale wurde angezündet. Rauch zog durch den Raum, der Song lief immer noch, die Aperol-Eule wurde konsequent weiter geleert.

„Also“, sagte Melle und zeigte mit absoluter Überzeugung auf das Ding am Boden, „du springst jetzt da drüber und wünschst dir, dass dein Crush dich auf ein Date einlädt.“

Maja war schon wieder am Zusammenbrechen vor Lachen. „Wenn das funktioniert, raste ich aus.“

„Spring.“

Ein leicht schiefer, sehr unkoordinierter Hüpfer später:

„Okay“, japste Maja. „Ich hab mir was gewünscht.“

Sie ließ sich irgendwo wieder fallen, griff automatisch wieder zur Eule und schrieb nebenbei weiter mit ihrem Crush.

Dann vibrierte ihr Handy.

Maja schaut drauf.

Hört auf zu lachen.

„…nein.“

Melle friert ein. „Sag mir sofort, was passiert ist.“

Maja dreht langsam das Handy. „Er hat mich gerade gefragt, ob ich mit ihm auf ein Date gehen will.“

Stille.

Eine Sekunde.

Dann kompletter Ausnahmezustand.

Dieses laute, unkontrollierte Hyänenlachen, Schreien, völliges Ausrasten.

„DIE EULE!!“
„DIE SPIRALE!!“
„ICH BIN EIN GENIE!!“

Irgendwo zwischen Rauch, Musik und kompletter Sinnlosigkeit wurde angestoßen – direkt aus der Eule, versteht sich.

Draußen das Meer. Drinnen zwei komplett eskalierte Freundinnen, die gerade nicht entscheiden konnten, ob sie lachen, schreien oder an Magie glauben sollten.

Und das Beste?

Das Date hat stattgefunden.

Und Jahre später sind die beiden immer noch zusammen.

Also ja – vielleicht war es Schicksal.

Oder vielleicht war es einfach eine Räucherspirale, zu viel Aperol…
und eine sehr überzeugte Melle auf Norderny.

Happy Birthday Mika 🎉

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